Seit ich aus ArDa ausgetreten bin, hat sich viel getan. Sämtliche Freunde aus ArDa sind in eine neue, alte Corp gewechselt: die Red1 Division. Da unsere bisherige Heimat niemanden mehr erfüllen konnte, das Blob-Potential dort durch Rebellion Alliance mehr und mehr stieg und wir auch unseren letzten blauen in der Ecke die Freundschaft gekündigt haben, sahen wir uns nach etwas Neuem um. Also Evakuierung des gesamten Materials in ein nahe gelegenes High-Security-Gebiet und erst mal eine Woche ISK-Pause eingeschoben in der wir uns nach neuen Wegen umsehen wollten.
Schließlich stießen wir auf das Killboard und später auf den Forenbeitrag von Obscure Syndicate – eine noch recht kleine und neue Piratenallianz. So wurde der Diplomat mal auf ein Gespräch eingeladen und ein Bild von den Jungs gemacht. Eine Anfrage, erst einmal zur Probe mitzufliegen, wurde leider abgelehnt. Trotzdem sind wir beigetreten und haben über zwei Tage unsere Frachter voller Dinge, die sich ansammelten, Schiffen und anderem Kriegsgerät die knappe 30 Sprünge verlegt.
Nun ja. Erster Abend – erste Gang. Anstatt es uns jedoch am ersten Abend einmal zu zeigen und etwas Eindruck zu schinden, wurden wir Zeuge eines grandiosen Fiaskos. Nach knapp zwei Stunden für die Zusammenstellung und der Lektion, dass Cap Recharger und White Noise „zum guten Ton“ in PVP-Setups gehören, ging es los … Red1 – mit fünf Battleships vertreten – hat weit über die Hälfte der angeblichen Remote-Rep-Battleship-Gang gestellt, der Rest saß in Cruisern und Battlecruisern. Insgesamt waren wir weniger als 25 Piloten. Nach keinen zehn Jumps von Aring in Richtung Ami hatten wir Feindkontakt. Glaub ich … Vom Scout war nämlich nicht viel zu hören, dafür umso mehr von allen anderen. Auch hier hatte der Fleetcommander aber etwas besonderes für uns vorbereitet. Anstatt einem Befehl, in etwa „Gruppieren um die Remote-Rep-Schiffe“ hieß es, das Sternentor auf 1.000 Meter zu umkreisen. An dieser Stelle machte sich bei uns dann doch schon deutlicher Unmut breit. Darüber hinaus missachteten wir diese Order und sammelten uns eng beieinander. Schließlich hatte unser Scout endlich erste Informationen von der anderen Seite – nach ungefähr zehn Minuten, die wir bereits als Zielscheiben am Sternentor standen. Dort formierte sich ebenfalls eine Gruppe, der unseren nicht unähnlich. Aber bereits zu dem Zeitpunkt war uns völlig klar, dass selbst eine zahlenmäßig unterlegene Gruppe mit besserer Ordnung der unseren weit überlegen sein würde.
Es kam, wie es musste, die Katastrophe nahm ihren Lauf. Eine Megathron der Gegner sprang zu uns herüber und ohne auch nur eine Sekunde das Hirn zu nutzen, schossen alle wie die Wilden und handelten sich so das Feuer der stationären Waffen ein. Die Megathron indes machte etwas Geschwindigkeit, flog bequem zurück ans Tor und sprang durch. Unser Fleetcommander war einskalt – er brachte die ganze Gruppe durch einen Befehl in den Warp – selbstverständlich ohne Ausrichten oder vereinzelte Piloten aus dem Tor herausfliegen zu lassen. Auf dem Sicherheitspunkt angekommen gab er knall hart den Befehl sich neu auf das Tor auszurichten. Das taten dann auch alle. Stolze zehn Minuten verteilte sich unsere Gruppe also über 60 km. Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt einen Anderen helfen können. Lediglich wir blieben, ohne das es einem Befehl bedurft hätte, stets beisammen.
Natürlich ist das noch nicht das Ende … Leider. Lediglich vier Minuten bevor die stationären Waffen uns vergeben hätten, hatte der Scout auf der anderen Seite eine Damnation auf einem sicheren Punkt im All entdecken können. Was genau uns diese Information bringen sollte war mir von Anfang an nicht klar da sich ja direkt am Tor die gegnerische Gruppe aufhielt. Wie also an denen vorbeikommen und das Schiff auf diesem sicheren Punkt angreifen? Der Fleetcommander gab den Befehl, das gegnerische Kommandoschiff mit einem Warpunterbrecher festzuhalten und brachte uns, sehr zur Freude der stationären Waffen, wieder kollektiv ans Tor. Langsam wurde es komisch. Also, eher nicht haha-komisch sondern eher WTF-komisch. Aber Feigheit vor dem Feind kennt jemand, der sich und seine ihm unterstellten sieben Freunde in Battleships ohne Scout 40 Sprünge durch tiefstes 0.0-Gebiet scheucht, nicht. Also: Augen zu, durch und Feuerwerk.
Der nächste Schock. Unser Fleetcommander gab das erste Ziel an, eine Tempest. Soweit so gut. Aber das war’s dann auch. Niemanden zum Anfliegen, damit alle in Reichweite der Remote-Repper sind, keinen zweiten Offizier, der weiter Ziele nennen kann, sollte er ausfallen. Nichts. Und, als wäre das nicht genug, enttarnten sich ausschließlich die Red1-Kampfschiffe. An dieser Stelle platzte mir der Kragen und ich fragte im Kanal ob diese Art zu kämpfen normal sei. Plopp und plopp kamen so langsam auch die anderen. Wir waren natürlich längst unter Beschuss und nur Sekunden nach dem Enttarnen verloren wir unser erstes Schiff. Derweil ging die Tempest gut runter und ich schaltete bereits die beiden Schiffe der Megathron-Klasse auf, in fester Erwartung, dass diese die Sekundärziele würden. Der nächste Schock: Beide hatten Schaden. Unsere Gruppe schoss worauf sie lustig war! Die Tempest überlebte schier ewig. Beide Megathrons nahmen Schaden, die gegnerische Falcon und Guardien wurden auch ein bisschen beschossen und Anfragen nach Remote-Repair gab es genau drei im Übersichtsfenster. Ein Desaster! Als die Tempest also endlich starb, verriet uns der Fleetcommander auch das zweite Ziel. An dieser Stelle hätte die gesamte Gruppe fast gemeutert. Ich will es euch verraten: eine Drake! Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mit meinem Schiff abgeschlossen und fügte mich dem Unvermeidbaren. Mehr Schaden auf der Drake bedeutete schließlich auch, dass sie schneller starb, was wiederum die Chancen erhöhte, endlich ein vernünftiges Ziel, von denen es genug gab, zu beschießen.
Die Drake starb, eine Megathron wurde unser neues Ziel und der Abend fand schließlich seinen Höhepunkt. Oder besser: Tiefpunkt. Unser Kommandant gab den Befehl: Raus. Und war kurz drauf nicht mehr gesehen. Zwei unserer Schiffe kamen ebenfalls sehr schnell raus. Eines hatten wir zu Beginn verloren, eines näherte sich dem Tod. Wir haben noch versucht, eine Megathron mit uns zu nehmen, doch war die gegnerische Hilfe zu stark. Schlussendlich warpte ich ebenfalls raus und mein Kamerad starb. Ich würde gerne „heldenhaft“ schreiben, aber im Prinzip war es einfach nur unnötig.
Daraufhin verließen wir kollektiv den Com-Kanal. Zur Nachbesprechung machte ich unserem Unmut Luft. Hier wurde uns auch erklärt warum man ein Tor auf 1.000 Meter umkreisen sollte, haltet euch fest: Wenn ein Cyno aufgehen würde und mehrere Dreads erschienen, könnte man durch geschicktes Umkreisen nicht getroffen werden.
Das war’s, wir konnten vor Lachen kaum noch weinen, denn eigentlich war uns nach beiden zumute. Mag das Gesagte im ersten Moment vielleicht nicht einmal völlig bescheuert klingen, so tut es das doch spätestens auf den zweiten Blick. In Sprungreichweite eines Sternentores selbiges umkreisen, damit Dreadnoughts – zu denen man sowieso eine gewisse Transversalgeschwindigkeit aufbauen sollte – einen nicht treffen …! Traurig, aber wahr. Später hieß es sogar, Red1 wären die ersten gewesen, die vom Feld geflüchtet sind. Dazu kann ich nur sagen: Der Erste war der Kommandant persönlich. Und der Befehl war eindeutig. Zwei unserer Jungs sind raus, zwei gestorben, ich war einer der Letzten auf dem Feld. Solche dreisten Lügen werde ich nicht heute und nicht in Zukunft unkommentiert stehen lassen.
Am gleichen Abend haben wir noch mit Battlecruisern etwas die Gegend erkundigt. Auch da gab es leichte Verluste – weil das hooooouuuuuullllllddddd on gate scheinbar undeutlich war
– aber das war nicht weiter schlimm.
Tags darauf machten wir wieder eine Gruppe. Wieder war das Motto „Gegend erkunden“, gewünschte Schiffsklasse waren Battlecruiser. Auch ein paar Allianzmitglieder schlossen sich uns an und wir hatten ein bisschen was vorzuweisen. Nach einem Essensstop machten wir am Nachmittag weiter. Gerade in einem System angekommen, aktivierte sich hinter uns das Gate. Ein Gegner also. Und just in diesem Moment kommt jemand bei uns in den Com-Kanal und redet irgendetwas von Stören und Schiffen nachbestellen. Genau kann das bei der ohnehin bescheidenen Qualität auf diesem Kanal niemand sagen. Jedenfalls gab es ein recht rüdes: HALT’S MAUL von einem meiner Leute – nicht gerade die feine englische Art. Der Gegner enttarnte sich – eine Kestrel – und der böse Spruch wurde entschuldigt und erklärt. Ein wenig noch gelacht, kurze Pause und weiter ging es, zumindest für die anderen – ich hatte technische Probleme und fiel den Rest des Abends aus. Zumindest bis mein Mobiltelefon klingelte. Einer meiner Kameraden an der Strippe – oha, das muss ja wichtig sein, wenn der mich extra anruft. Was geniales gekillt? Hundert Milliarden ISK erpresst? Naja, gleich werd ich es hören.
Der Mensch, der in unsere Battlecruiser-Operation reingeplatzt ist und irgendetwas Unverständliches nuschelte, hat sich, nachdem er versicherte, der Spruch wäre kein Problem gewesen, „erwachsen“ wie er ist, noch beim Allianz-Chef ausgeweint. Dieser – also jener welcher, der Sternentore auf 1.000 Meter umkreist falls Großkampfschiffe kommen, schrie hysterisch in unserem Kanal rum, was wir uns denn einbilden würden und dass es sowas bei ihnen nicht gibt. Die Reaktion war vorhersehbar. Lachen unsererseits, ein paar Frotzeleien und dumme Sprüche. Entschuldigung? Keine Spur. Warum auch, wenn jeder wegen einem übereifrigen Spruch gleich das große Weinen bekommt sollen wir ihn noch in den Arm nehmen? Es kam wie es musste. Die direkte Kritik am Fleetcommander tags zuvor und der Anranzer im Com haben für einen fristlosen Rausschmiss aus der Allianz gereicht. Natürlich mit dem entsprechendem Minus-Zeichen vor unserem Namen.
Natürlich sehr fair. Unsere Hauptstation ist selbstverständliche auch die ihre. Schiffe und Module, Privates und Firmeneigentum sind somit festgesetzt. Und einfache Abschüsse für den Gegner garantiert. Haben Sie sich wahrscheinlich zumindest gedacht.
Was wirklich kommt, das wird der nächste Blogeintrag berichten. Man kann aber gespannt sein.